;

Ernährungsinnovation – Ergebnisse

Interaktive Stationen

NewFoodSystems Day

Museumsbesucher*innen

Das Deutsche Museum Nürnberg entwickelte die zwei geplanten interaktiven Ausstellungseinheiten zu den Themenschwerpunkten „Neue/alternative Lebensmittel“ und „Indoor Farming“ und implementierte diese als festen Bestandteil in der Dauerausstellung im Themenbereich „System Erde“. Grundlage hierfür war die Entwicklung eines umfassenden Vermittlungskonzepts, in dessen Rahmen die wissenschaftlichen Inhalte recherchiert, didaktisch aufbereitet und in Storyboards sowie Drehbüchern konkretisiert wurden. Diese bildeten dann wiederum die Basis für die bauliche und technische Realisierung der Stationen, die mit der Museumseröffnung im September 2021 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

Seitdem erreichten die Stationen ein breites Publikum: Bis zum Projektende, dem 31.12.2023, besuchten rund 257.000 Menschen das Museum. Aufgrund der zentralen Platzierung ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Besucher mit den im Projekt entwickelten Inhalten in Berührung gekommen ist. Die Station „Aufgetischt“ thematisiert neue Lebensmittel im Kontext kultureller Essgewohnheiten und gesellschaftlicher Akzeptanz. Die Inszenierung als Esstisch schafft eine kommunikative Situation, die zum Austausch über persönliche Einstellungen anregt. Die Besucher können an der Station aus 16 verschiedenen Gerichten auswählen: Ein Teilstück jedes Gerichts befindet sich dafür in einer Petrischale, die man sich auf den eigenen Teller legt; so wird das Gericht dahinter aufgedeckt. Informationen zu Nährstoffgehalt, Zubereitung oder auch Ressourcenverbrauch werden so zugänglich gemacht. Bei den Beispielen handelt es sich um Speisen aus verschiedenen Kulturkreisen, aus Science-Fiction-Filmen unterschiedlicher Jahrzehnte sowie um neue Lebensmittel aktueller Forschungsprojekte. Frischkäse aus Lupinen, Schlangenwürmer aus dem Star Trek Universum oder Seegurken aus China konfrontieren die Besucher so mit der Frage, welche Lebensmittel sie in ihrem Ernährungsalltag akzeptieren würden.
Die Station zum Indoor Farming ermöglicht es den Besuchern, im Baukastenprinzip eigene vertikale Farmen zu konfigurieren und dabei Zielkonflikte zwischen Ertrag, Qualität und Energiebedarf spielerisch zu erkunden. Auf diese Weise werden technologische Innovationspotenziale niedrigschwellig und interaktiv vermittelt. Darüber hinaus wurde begleitend zur Ausstellung das Begleitprogramm des Museums kontinuierlich weiterentwickelt und um einen Laborworkshop zum Thema „Proteine in aller Munde“ ergänzt. Dieser wurde aus dem NewFoodSystems-Konsortium heraus erstmalig im Rahmen des „NewFoodSystems Day 2022“ angeboten und seitens des Museums übernommen.

Die begleitende Besucherforschung war ein weiteres zentrales Element des Projektes. In einer Pre-Post-Studie mit Klassenverbänden der Sekundarstufe I (N = 197) wurde untersucht, welchen Einfluss die Interaktion mit der Station „Aufgetischt“ auf die Haltung gegenüber neuartigen Lebensmitteln hat. Während die Bedeutung von Nachhaltigkeitskriterien für die Lebensmittelauswahl bei den Schülern nahezu unverändert blieb, nahm sowohl die Bekanntheit als auch die Probierbereitschaft von Lebensmittelalternativen nach der Interaktion mit der Station „Aufgetischt“ signifikant zu. Die spielerische und kontextualisierte Auseinandersetzung mit Ernährungsinnovationen trägt somit messbar zur Offenheit der Zielgruppe bei.

Darüber hinaus wurde mit dem „NewFoodSystems Day“ am 24.09.2022 gemeinsam mit dem Koordinationsbüro des Innovationsraums ein dialogorientiertes Veranstaltungsformat umgesetzt, das den direkten Austausch zwischen Forschung und Öffentlichkeit ermöglichte und die Inhalte des Innovationsraums an die breite Öffentlichkeit herangetragen hat. Interaktive Projektstände der Forschungsprojekte des Innovationsraums, Impulsvorträge, Workshops, zahlreiche Verkostungsmöglichkeiten von verschiedenen neuartigen Lebensmitteln sowie ein Start-up Pitch-Wettbewerb ermöglichten vielfältige Zugänge zu den Themen des Innovationsraums. Rund 540 Personen im Museum sowie schätzungsweise 950 weitere Besucher im Außenbereich konnten dabei erreicht werden.

Als zentrales Ergebnis des Vorhabens wurden dauerhaft nutzbare, modular angelegte Vermittlungsformate geschaffen, die bei zukünftigen technologischen Entwicklungen flexibel aktualisiert werden können. Die Stationen fördern den Dialog innerhalb interessierter Teilöffentlichkeiten, eröffnen interdisziplinäre Perspektiven auf komplexe Ernährungsthemen und stärken das Museum als informellen Lernort für gesellschaftliche Transformationsfragen. Zudem entstand durch die enge Zusammenarbeit mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft ein breites Netzwerk, aus dem weitere Kooperationsprojekte hervorgehen können. Insgesamt leistete das Projekt damit einen nachhaltigen Beitrag zur Förderung des offenen Dialogs zwischen Forschung und Gesellschaft im Kontext von NewFoodSystems und zeigt, dass erfahrungsorientierte, dialogische Vermittlungsansätze die gesellschaftliche Akzeptanz von Ernährungsinnovationen wirksam unterstützen können.

  • Entwicklung und Umsetzung von zwei interaktiven Ausstellungseinheiten, sowie Integration dieser in die Dauerausstellung des Deutschen Museum Nürnberg
  • Planung und Durchführung des NewFoodSystems Day
  • Erweiterung des Begleitprogramms um einen Laborworkshop
  • Durchführung einer empirischen Pre-Post-Besucherforschung (N=197)
  • Aufbau eines nachhaltigen Transfer- und Kooperationsnetzwerks