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AlProPlant – Ergebnisse

Das Forschungsprogramm umfasste zwei kontrollierte Ernährungsstudien mit jungen, normalgewichtigen Frauen und Männern, die im Schulterschluss der beiden Disziplinen Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften konzipiert und durchgeführt wurden.

In Humanstudie 1 wurden zunächst die Verdaulichkeit und Verfügbarkeit (u.a. Plasma-Profile der einzelnen Aminosäuren) pflanzlicher Proteinzutaten unterschiedlichen Verarbeitungsgrads miteinander verglichen und Molkenprotein gegenübergestellt. Als Beispiel wurde hierbei die Erbse herausgegriffen, da Erbsenproteinzutaten in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen haben. Zudem stehen bei der Erbse sowohl industrielle Proteinisolate und -konzentrate als auch Trocken- und Nassextrudate zur Verfügung, da sie bereits als Proteinzutaten in einer Vielzahl von Produkten, insbesondere in Fleischersatzprodukten eingesetzt werden. In Humanstudie 2 wurden physiologische und biofunktionelle Wirkungen des Erbsenproteins mit weiteren Proteinen (Weizen, Soja, Hähnchen) verglichen. In beiden Humanstudien wurden die Zielgrößen in einem randomisierten Crossover-Design nüchtern und über einen postprandialen Zeitraum von 6 Stunden gemessen. Hierfür wurden venöse Blutproben entnommen und hinsichtlich der Plasma-Profile einzelner Aminosäuren, Harnstoff, Glukose, Insulin und Harnsäure untersucht. Darüber hinaus wurde die Magenentleerungsrate mittels Paracetamolkinetik bestimmt und die Sättigung anhand visueller Analogskalen erfasst. Zusätzlich wurden in Humanstudie 2 weitere Parameter, u.a. des Lipid- und Glukosestoffwechsels, Hunger- und Sättigungs-assoziierte Hormone, erfasst. Im Sinne eines „ganzheitlichen“ und praxisnahen Forschungsansatzes wurden die Proteinzutaten in beiden Studien in standardisierte Mahlzeiten eingebettet. Diese wurde isonitrogen konzipiert und enthielten 25 g (Studie 1) bzw. 40 g (Studie 2) Studienprotein pro Mahlzeit.

In Studie 1 führte der Verzehr von Erbsenprotein unabhängig vom Verarbeitungsgrad (Konzentrat, Isolat, Extrudat) zu einem geringeren postprandialen Anstieg unentbehrlicher Aminosäuren als Molkenprotein. Dies betraf insbesondere die physiologisch relevanten Aminosäuren Leucin, Lysin und Methionin. Der Vergleich zwischen den Verarbeitungsgraden zeigte eine verzögerte Verfügbarkeit unentbehrlicher Aminosäuren nach dem Verzehr von extrudiertem Erbsenprotein. Dieser Befund zeigte sich besonders bei den Frauen. Darüber hinaus steigerte der Verzehr von Erbsenprotein (purinhaltig) die postprandiale Harnsäurekonzentration, während die Konzentration unter Molkenprotein sank. Hinsichtlich weiterer metabolischer Parameter (z.B. Glukose, Insulin, Harnstoff) und Sättigung zeigten Erbsen- und Molkenprotein ähnliche Effekte.

Bisherige Ergebnisse der zweiten Humanstudie zeigen, dass die untersuchten pflanzlichen Fleischalternativen (Nassextrudate aus Erbsen-, Weizen- oder Sojaprotein) und Hähnchenfleisch die Parameter des Glukose- und Lipidstoffwechsels (u.a. Glukose, Insulin, C-Peptid, Triglyceride, LDL-, HDL- und Gesamt-Cholesterol) ähnlich beeinflussen. Der hohe postprandiale Harnstoffanstieg nach Verzehr von Weizen-Gyros deutet auf eine geringere Proteinqualität des Weizenproteins hin (Lysin als limitierende Aminosäure). Der Verzehr von Erbsenprotein und v.a. von Hähnchenfleisch führte zudem zu einem Anstieg der postprandialen Harnsäurekonzentration, während Weizen- und Sojaprotein die Harnsäurekonzentration senkten. Eine abschließende ernährungsphysiologische Bewertung der vier Proteine ist erst nach Abschluss der noch ausstehenden Laboranalysen (u.a. Plasmakinetik einzelner Aminosäuren, gastrointestinale Hormone) möglich.

  • Zwei Humanstudien zur postprandialen Stoffwechselantwort auf pflanzliche Proteine und Fleischalternativen
  • Geringerer postprandialer Anstieg unentbehrlicher Aminosäuren nach Erbsenprotein im Vergleich zu Molkenprotein
  • Verzögerte Aminosäurenverfügbarkeit nach Verzehr von extrudiertem Erbsenprotein
  • Pflanzliche Fleischalternativen (Erbsen-, Weizen-, Sojaprotein) zeigen ähnliche Effekte auf Parameter des Glukose- und Lipidstoffwechsels wie Hähnchenfleisch
  • Postprandialer Anstieg der Harnsäurekonzentration nach Verzehr von Erbsenprotein (Studie 1 und 2) und Hähnchenfleisch (Studie 2), Senkung der Harnsäurespiegel nach Aufnahmen von Molkenprotein (Studie 1), Weizen- und Sojaprotein (Studie 2)

Schweiggert-Weisz U, Etzbach L, Gola S, Kulling SE, Diekmann C, Egert S, Daniel H: New plant-based food products between technology and physiology. Molecular Nutrition and Food Research 2024 »Publikation

Hansch, L.; Diekmann, C.; Kopp, C.; Acir, I.H.; Gola, S.; Daniel, H.; Weisz, U.; Egert, S.: Effekte von Erbsenproteinen unterschiedlicher Verarbeitungsgrade auf die postprandiale metabolische Antwort bei stoffwechselgesunden Frauen und Männern. Abstract. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (Hrsg.): Proceedings of the German Nutrition Society. Abstractband zum 62. Wissenschaftlichen Kongress. Bonn, 2025.

Schweiggert-Weisz U, Gola S, Bauer A, Diekmann C, Egert S, Brandt P, Früh S, Detzel A: Plant protein ingredients. Between techno-functionality, sensory properties, human nutrition and sustainability. Ernahrungs Umschau 2025; 72(5): 88–98. »Publikation